Business-DSL-Vergleich

Telefonie für Firmen: SIP-Trunk, Rufnummernblock, Cloud-Anlage

Telefoniert wird heute über den Internetanschluss. Welche Anschlussart zu deinem Betrieb passt und was du bei Umstieg, Rufnummern und Ausfällen klären solltest.

Stand:

ISDN ist abgeschaltet, alles läuft über IP

Die großen Netzbetreiber haben ISDN Anfang der 2020er Jahre abgeschaltet. Seitdem läuft jedes Festnetzgespräch als Datenstrom über denselben Anschluss wie das Internet, Fachleute sagen All-IP oder Voice over IP (VoIP). Für dich heißt das: Es gibt keine eigene Telefonleitung mehr. Die Qualität deiner Telefonie hängt an der Qualität deines Internetanschlusses.

Das ist ein Argument für Glasfaser. Gespräche brauchen wenig Bandbreite, aber eine stabile Verbindung mit kurzen, gleichmäßigen Laufzeiten. Eine alte Kupferleitung, die bei Regen Fehler produziert, hört man am Telefon zuerst. Was ein Glasfaseranschluss für Firmen sonst noch bringt, steht unter Glasfaser für Unternehmen.

Mehrgeräteanschluss oder Anlagenanschluss

Aus der ISDN-Zeit stammen zwei Begriffe, die bei IP-Anschlüssen weiterleben. Beide beschreiben, wie deine Rufnummern organisiert sind.

Mehrgeräteanschluss

  • Mehrere einzelne Rufnummern, oft drei bis zehn, ohne inneren Zusammenhang
  • Telefone hängen direkt am Router oder an einer kleinen Anlage
  • Reicht für Selbstständige, kleine Büros und Praxen mit wenigen Plätzen
  • Durchwahlen wie 0123 4567-12 gibt es nicht

Anlagenanschluss

  • Ein Rufnummernblock: Stammnummer plus Durchwahlen, etwa -0 bis -99
  • Jeder Platz bekommt eine eigene Durchwahl, die Zentrale die -0
  • Braucht eine Telefonanlage, im Haus oder in der Cloud
  • Sinnvoll ab etwa fünf bis zehn Arbeitsplätzen oder wenn du wachsen willst

Wie viele Gespräche gleichzeitig laufen können, legen die Sprachkanäle fest. Ein Büro mit zwölf Leuten kommt oft mit vier bis sechs Kanälen aus, weil nie alle gleichzeitig telefonieren. Eine Arztpraxis mit voller Anmeldung braucht eher mehr.

SIP-Trunk: der Anlagenanschluss von heute

Ein SIP-Trunk verbindet eine Telefonanlage über das Internet mit dem Telefonnetz. Er bringt den Rufnummernblock und eine Zahl von Sprachkanälen mit, die sich meist in kleinen Schritten erweitern lässt. Die Anlage meldet sich beim Anbieter an, und ab dann klingeln die Durchwahlen dort.

Den SIP-Trunk muss nicht der Anbieter liefern, der dir den Internetanschluss stellt. Viele reine Telefonieanbieter haben SIP-Trunks im Programm, die über jeden Anschluss laufen. Beim eigenen Netzbetreiber hat das Paket aber einen Vorteil: Er kann die Sprachdaten im eigenen Netz bevorzugt behandeln. Bei einem fremden Anbieter läuft das Gespräch durchs offene Internet, was meist gut geht, aber keine Zusage ist.

Cloud-Telefonanlage oder eigene Anlage

Die Telefonanlage selbst kann im Haus stehen oder beim Anbieter laufen.

Cloud-Telefonanlage

  • Keine Hardware außer Telefonen, Headsets oder einer App
  • Monatliche Kosten je Nutzer, Plätze kommen und gehen nach Bedarf
  • Arbeitet über jede Internetverbindung, also auch im Homeoffice und unterwegs
  • Fällt das Büro-Internet aus, läuft die Anlage weiter und kann umleiten

Eigene Anlage im Haus

  • Einmal gekauft, läuft sie oft zehn Jahre und länger
  • Kann Sonderfälle wie Türsprechstellen, Aufzugsnotruf oder Branchensoftware gut anbinden
  • Braucht Wartung, Updates und einen Fachbetrieb, der sie kennt
  • Ohne Internet ist auch die Anlage nach außen stumm

Für die meisten kleinen Firmen ist die Cloud-Anlage heute der einfachere Weg. Eine eigene Anlage lohnt sich, wenn schon eine moderne IP-Anlage im Haus steht oder viele Geräte im Gebäude daran hängen, die nicht ins Internet sollen.

Rufnummern mitnehmen

Deine Nummern gehören zum Betrieb, nicht zum Anbieter. Beim Wechsel beantragt der neue Anbieter die Portierung beim alten, du unterschreibst dafür einen Auftrag. Ein Rufnummernblock wandert dabei nur als Ganzes. Und eine Festnetznummer bleibt an ihr Ortsnetz gebunden: Ziehst du in eine andere Vorwahl, geht sie in der Regel nicht mit.

Plane den Wechsel mit Puffer. Der Termin hängt am Vertragsende beim alten Anbieter, und wenn Name oder Adresse im Auftrag nicht genau mit dem alten Vertrag übereinstimmen, lehnt der alte Anbieter ab. Nimm die Angaben deshalb aus der letzten Rechnung.

Notruf und Standort

Auch über VoIP erreichst du 110 und 112. Die Leitstelle sieht aber nicht, wo du bist, sondern bekommt die Adresse, die beim Anbieter für den Anschluss hinterlegt ist. Das hat zwei Folgen.

  • Halte die Standortadresse beim Anbieter aktuell, vor allem nach einem Umzug.
  • Wer mit der Firmennummer aus dem Homeoffice oder vom Laptop unterwegs telefoniert, sendet beim Notruf womöglich die Büroadresse. Für den Notfall ist das Handy die bessere Wahl.

Viele Cloud-Anlagen erlauben, je Nutzer oder Standort eine eigene Notrufadresse einzutragen. Frag danach, wenn Leute regelmäßig außerhalb des Büros arbeiten.

Fax heute

Gefaxt wird noch, vor allem mit Behörden, Apotheken und manchen Kanzleien. Über IP ist das Faxgerät allerdings störanfällig, weil das Fax-Signal die Kompression und kleinen Aussetzer im Datenstrom schlecht verträgt. Sicherer sind zwei Wege: ein Faxdienst, der eingehende Faxe als PDF per Mail schickt und ausgehende aus einer Datei sendet, oder eine Anlage und ein Anbieter, die das Fax-Protokoll T.38 sauber unterstützen. Prüf vorher, ob deine Faxnummer in den Dienst portiert werden kann.

Wenn das Internet ausfällt

Ohne Internet kein Telefon. Das ist der Preis von All-IP, und er trifft Betriebe, die am Telefon Aufträge annehmen, am härtesten. Bereite dich auf zwei Ebenen vor.

  1. Erreichbar bleiben. Richte beim Anbieter eine Umleitung bei Nichterreichbarkeit ein, die automatisch greift, wenn sich Anlage oder Router nicht mehr melden. Ziel ist meist ein Handy oder ein anderer Standort. Bei einer Cloud-Anlage geht das ohnehin, weil sie beim Anbieter läuft.
  2. Weiterarbeiten. Eine zweite Leitung oder ein Mobilfunk-Backup am Router hält Internet und Telefonie im Büro am Laufen. Wie das aufgebaut wird, steht unter Ausfallsicherheit mit zweiter Leitung.
  3. Schnell repariert werden. Wie lange eine Störung dauern darf, legt dein Vertrag fest. Geschäftskundentarife sagen oft eine Entstörung innerhalb von acht Stunden zu. Was solche Zusagen wert sind, erklärt Entstörzeiten und SLA.

Wie viel Bandbreite ein Gespräch braucht

Weniger als viele denken. Ein Gespräch in der gängigen Qualität braucht rund 100 kBit/s, und zwar in beide Richtungen gleichzeitig. Knapp wird es eher beim Upload eines älteren DSL-Anschlusses, wenn parallel jemand große Dateien verschickt oder die Datensicherung in die Cloud läuft.

CodecKlangBedarf je Gespräch und Richtung
G.711Klassische Telefonqualität, Standard bei vielen Anbieternrund 90 bis 100 kBit/s
G.722HD-Telefonie, deutlich klarerrund 90 bis 100 kBit/s
OpusVariabel, oft in Apps und Cloud-Anlagenrund 30 bis 80 kBit/s
G.729Stark komprimiert, hörbar dünnerrund 30 kBit/s

Rechne großzügig mit 100 kBit/s je Gespräch. Zehn gleichzeitige Gespräche brauchen also etwa 1 MBit/s im Up- und im Download. Das schafft jeder Anschluss. Mehr zählt, dass der Router Sprache vor anderen Daten durchlässt. Diese Priorisierung heißt QoS und ist bei Business-Routern meist schon eingestellt.

Checkliste vor dem Umstieg

  • Wie viele Rufnummern brauchst du, und sollen es Durchwahlen werden?
  • Wie viele Gespräche laufen zu Spitzenzeiten gleichzeitig?
  • Welche Geräte hängen noch an der Telefonie: Fax, Türsprechstelle, Alarmanlage, Aufzugsnotruf, Frankiermaschine?
  • Sind alle Nummern und der Rufnummernblock beim alten Anbieter genau dokumentiert, mit Vertragsnummer und Kündigungsfrist?
  • Ist die Standortadresse für den Notruf hinterlegt?
  • Wohin wird umgeleitet, wenn das Internet ausfällt, und wer ist dort erreichbar?
  • Kann der Router Sprache priorisieren, und gibt es genug Upload?
  • Brauchst du eine feste IP-Adresse? Für die meisten Cloud-Anlagen nicht, manche eigene Anlage oder Fernwartung verlangt eine.

Häufige Fragen

Funktioniert mein altes ISDN-Telefon noch?

Nur über einen Router oder eine Anlage mit ISDN-Anschluss für Endgeräte, die das Signal umsetzt. Viele Business-Router haben so einen Anschluss. Auf Dauer lohnt der Wechsel auf IP-Telefone, weil Ersatz für ISDN-Geräte knapp wird.

Brauche ich für einen SIP-Trunk eine feste IP-Adresse?

Meist nicht. Die meisten Anbieter melden die Anlage mit Benutzername und Passwort an. Manche Trunks für größere Anlagen arbeiten aber mit IP-basierter Anmeldung und setzen dann eine feste Adresse voraus. Frag beim Anbieter nach, bevor du bestellst.

Kann ich Telefonie und Internet bei verschiedenen Anbietern haben?

Ja. Der Internetanschluss transportiert die Gespräche nur. Einen SIP-Trunk oder eine Cloud-Anlage kannst du bei einem anderen Anbieter buchen. Der eigene Netzbetreiber kann Sprache im Netz aber bevorzugt behandeln, ein fremder nicht.

Was passiert mit der Alarmanlage oder dem Aufzugsnotruf?

Ältere Geräte, die über die Telefonleitung melden, funktionieren am IP-Anschluss oft nicht zuverlässig. Sprich mit dem Errichter der Anlage. Häufig ist ein Umbau auf ein Mobilfunk- oder IP-Modul die sicherere Lösung.

Wie lange dauert eine Rufnummernportierung?

Das hängt am Vertragsende beim bisherigen Anbieter. Der neue Anbieter braucht den Auftrag einige Wochen vorher. Stimmen die Angaben nicht genau mit dem alten Vertrag überein, wird der Antrag abgelehnt und der Termin verschiebt sich.