Business-DSL-Vergleich

Symmetrische Anschlüsse und Standleitungen

Gleich viel Upload wie Download, dazu eine Bandbreite, auf die man sich verlassen kann: Dafür stand früher SDSL. Heute führt der Weg fast immer über Glasfaser.

Stand:

Was SDSL war

SDSL steht für Symmetric Digital Subscriber Line. Anders als ADSL und VDSL verteilt es die Bandbreite gleichmäßig: Was hereinkommt, kann auch hinausgehen. In den 2000er-Jahren war das für Firmen mit eigenem Mailserver, Website im Haus oder Standortvernetzung die bezahlbare Alternative zur teuren Standleitung.

Die Bandbreiten waren aus heutiger Sicht klein. Ein paar MBit/s in beide Richtungen, mit mehreren gebündelten Kupferpaaren etwas mehr. Dafür gab es, was Privat-DSL nicht hatte: eine zugesicherte Bandbreite, feste IP-Adressen und vertraglich geregelte Entstörzeiten. Regionale Anbieter wie M-net haben SDSL-Varianten später auch über ihre Glasfasernetze angeboten.

Warum SDSL praktisch verschwunden ist

SDSL ist nicht an einem Stichtag abgeschaltet worden. Es ist leise vom Markt gegangen, aus drei Gründen.

  • Die Kupferleitung gibt nicht mehr her. Selbst VDSL mit Supervectoring kommt im Upload nur auf 40 MBit/s, symmetrische Kupfertechnik liegt weit darunter.
  • Glasfaser liefert dasselbe Versprechen in einer anderen Größenordnung. Ein Business-Glasfaseranschluss bringt mehrere hundert MBit/s Upload, SDSL kam auf einen Bruchteil davon.
  • Das Kupfernetz läuft aus. Kein Anbieter investiert mehr in eine Kupfertechnik für eine kleine Kundengruppe.

Wer heute noch einen SDSL-Anschluss hat, sollte nicht auf ein Abschaltschreiben warten. Frag deinen Anbieter, welches Nachfolgeprodukt er an deiner Adresse vorsieht, und vergleiche es mit dem, was andere dort anbieten.

Drei Wege zu symmetrischer Bandbreite

WegBandbreiteZusageFür wen
Business-Glasfasersymmetrisch oder mit hohem Upload, meist bis 1 GBit/s und mehr„bis zu“, Entstörung je nach TarifBüros, Praxen, Kanzleien, Handwerk
Standleitung (Ethernet-Anbindung)symmetrisch, fest vereinbartgarantiert, mit SLAServerbetrieb, mehrere Standorte, Produktion
Richtfunksymmetrisch möglich, je nach Streckeje nach AnbieterStandorte ohne Glasfaser, als Zweitweg

Business-Glasfaser

Für die meisten kleinen und mittleren Firmen ist das der Nachfolger von SDSL. Wie symmetrisch der Anschluss ist, hängt vom Anbieter ab. Deutsche Glasfaser Business gibt für seine Geschäftskundentarife gleiche Bandbreiten in beide Richtungen an. Bei der Telekom liegt der Upload der Business-Glasfasertarife bei der Hälfte des Downloads, bei 1&1 ebenfalls. Auch der halbe Download eines Gigabit-Anschlusses ist mehr Upload, als SDSL je geliefert hat.

Der Haken: Ein normaler Glasfaseranschluss ist ein geteiltes Medium. Mehrere Kunden teilen sich die Kapazität bis zum Verteiler, und der Vertrag nennt eine Höchstbandbreite, keine Garantie. In der Praxis kommt das Gebuchte meist an. Zugesagt ist es nicht.

Standleitung mit garantierter Bandbreite

Bei einer Standleitung bekommst du eine eigene Faser oder einen eigenen Kanal bis zum Netzknoten des Anbieters. Die Bandbreite ist fest, der Upload gleich dem Download, und ein Service Level Agreement regelt Verfügbarkeit und Entstörzeit. Viele Geschäftskundenanbieter haben so etwas im Programm, oft unter Namen wie Direktanschluss oder Ethernet-Anbindung.

Dafür zahlst du deutlich mehr als für einen Glasfaseranschluss, und der Bau dauert länger, weil die Leitung einzeln geplant wird. Lohnend ist das, wenn ein Ausfall oder eine schwankende Bandbreite richtig Geld kostet. Wie man SLAs liest und vergleicht, steht unter Entstörzeiten und SLA.

Richtfunk

Wo keine Faser liegt und der Tiefbau zu teuer oder zu langsam ist, kann eine Richtfunkstrecke eine Lücke schließen. Die Strecke braucht Sichtverbindung zwischen zwei Antennen und reagiert je nach Frequenz auf starkes Wetter. Als Zweitweg zu einer Glasfaserleitung ist Richtfunk interessant, weil er nicht im selben Graben liegt. Mehr zu Zweitwegen unter Ausfallsicherheit mit zweiter Leitung.

Wann du symmetrischen Upload wirklich brauchst

Viele Firmen buchen Upload, den sie nie nutzen. Andere merken erst beim ersten großen Backup, dass ihre Leitung in eine Richtung zu eng ist. Ein paar Anhaltspunkte:

  • Cloud-Backup. Wer nach Feierabend hunderte Gigabyte sichert, braucht Upload. Mit 40 MBit/s dauert ein Terabyte gut zwei Tage, mit 500 MBit/s etwa viereinhalb Stunden.
  • Videokonferenzen. Eine einzelne HD-Konferenz braucht wenige MBit/s. Wenn zehn Leute gleichzeitig senden und nebenbei Dateien hochladen, wird es auf VDSL eng.
  • Server im Haus. Ein Dateiserver, auf den Außendienst und Homeoffice zugreifen, schickt alles über den Upload des Büroanschlusses hinaus.
  • Remote-Arbeit und VPN. Jede Verbindung von außen ins Büronetz läuft über den Upload. Dazu gehört meist eine feste IP-Adresse, siehe Feste IP-Adresse.
  • Große Dateien. Pläne, Videos, Bilddaten aus der Praxis oder Druckvorlagen, die an Kunden oder Dienstleister gehen.

Wer dagegen vor allem im Browser arbeitet, telefoniert und Mails schreibt, kommt mit dem Upload eines asymmetrischen Glasfasertarifs gut aus.

Worauf du im Vertrag achtest

Bei symmetrischen Anschlüssen steht im Angebot oft dieselbe Zahl, gemeint ist aber Verschiedenes.

  • Garantiert oder „bis zu“. Eine garantierte Bandbreite steht dir jederzeit zur Verfügung. Eine „bis zu“-Bandbreite ist eine Obergrenze. Frag nach, welche Bandbreite mindestens zugesagt ist.
  • Überbuchung. Auf geteilten Netzen verkauft der Anbieter mehr Kapazität, als gleichzeitig abgerufen werden kann. Das funktioniert meist, weil nicht alle zur selben Zeit Last erzeugen. Bei einer Standleitung gibt es keine Überbuchung auf deiner Strecke.
  • Upload schriftlich. Lass dir neben dem Download auch den Upload ausdrücklich nennen.
  • Entstörzeit und Verfügbarkeit. Prüfe, ob eine Reaktionszeit oder eine Wiederherstellungszeit zugesagt ist, und ob sie rund um die Uhr gilt oder nur werktags.
  • Feste IP-Adressen. Wie viele sind enthalten, IPv4 oder nur IPv6?

Ob an deinem Standort Glasfaser liegt und welche Anbieter dort bauen, steht auf der Seite Glasfaser für Unternehmen.

Häufige Fragen

Kann ich heute noch SDSL bestellen?

Kaum noch. Die meisten Anbieter haben SDSL aus dem Programm genommen und verweisen auf Glasfaser oder Standleitungen. Bestehende Anschlüsse laufen teilweise weiter, bis die Technik abgebaut wird.

Ist ein Glasfaseranschluss automatisch symmetrisch?

Nein. Viele Glasfasertarife haben einen geringeren Upload als Download, bei einigen Anbietern die Hälfte. Einige Geschäftskundentarife sind symmetrisch. Frag nach oder sieh in der Leistungsbeschreibung nach.

Was ist der Unterschied zwischen Glasfaseranschluss und Standleitung?

Beim Glasfaseranschluss teilst du die Kapazität bis zum Verteiler mit anderen, die Bandbreite ist eine Obergrenze. Bei der Standleitung gehört dir die Strecke allein, die Bandbreite ist garantiert und die Entstörung vertraglich geregelt.

Reicht Richtfunk als Hauptanschluss?

An Standorten ohne Glasfaser kann Richtfunk eine gute Lösung sein, wenn Sichtverbindung besteht. Häufiger wird er als zweiter Weg neben der Glasfaser genutzt.